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Von der Bombaynuss zum westafrikanischen Cashew

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Wer schon etwas länger im Nussgeschäft tätig ist, weiß, wie stark sich der Cashewmarkt verändert hat. Als wir vor vielen Jahren bereits mit Cashewkernen arbeiteten, wurde in den Niederlanden sogar noch regelmäßig von Bombaynüssen gesprochen.

Diese Bezeichnung kam nicht von ungefähr. Indien war über viele Jahre das Zentrum der internationalen Cashewverarbeitung. Dort wurden Cashewnüsse in großem Maßstab geschält, sortiert und anschließend nach Europa und in andere Teile der Welt exportiert.

Heute sprechen wir einfach von Cashewkernen, und der weltweite Handel sieht inzwischen ganz anders aus.

Zuerst Indien, danach Vietnam

Indien hatte lange Zeit eine dominierende Stellung in der Verarbeitung von Cashewnüssen. Ab den 1920er-Jahren entwickelte sich insbesondere die Region um Kollam zu einem wichtigen Zentrum für das Schälen und Verarbeiten von Cashews.

Viel später gewann Vietnam stark an Bedeutung. Um 2006 und 2007 überholte Vietnam Indien als größten Exporteur von Cashewkernen. Vietnam baute eine enorme Verarbeitungsindustrie auf und importiert heute auch große Mengen roher Cashewnüsse aus Afrika.

Dieser letzte Punkt ist wichtig. Eine Cashewnuss, die aus Vietnam exportiert wird, muss nicht automatisch auch in Vietnam gewachsen sein. Ein erheblicher Teil der dort verarbeiteten Cashews stammt ursprünglich aus Afrika.

Immer mehr Cashews wachsen in Afrika

Westafrika gehört heute zu den wichtigsten Anbaugebieten für Cashewnüsse weltweit. Besonders die Elfenbeinküste spielt dabei eine sehr große Rolle, aber auch andere westafrikanische Länder produzieren bedeutende Mengen.

Ein großer Teil dieser Nüsse wurde jahrelang als rohe Cashewnuss in der Schale nach Indien und Vietnam verschifft. Dort wurden sie verarbeitet, bevor der essbare Cashewkern seine nächste Reise antrat, zum Beispiel nach Europa.

Doch auch das beginnt sich zu verändern. In Westafrika wird zunehmend in die eigene Verarbeitung investiert. Wir halten das für eine wichtige Entwicklung.

Seerouten für Cashewnüsse von der Elfenbeinküste, Tansania und Vietnam nach Rotterdam

Die dargestellten Seerouten und Entfernungen sind Richtwerte. Tatsächliche Routen können je nach Reederei, Hafen und aktueller Schifffahrtsroute abweichen.

Warum der Ort des Schälens so wichtig ist

Wenn über CO₂ und Cashewnüsse gesprochen wird, geht es häufig um die Anzahl der Kilometer, die eine Cashewnuss zurücklegt. Doch allein die Entfernung zu vergleichen, erzählt nicht die ganze Geschichte.

Für 1 Kilogramm verkaufsfähige Cashewkerne werden ungefähr 4 bis 5 Kilogramm rohe Cashewnüsse in der Schale benötigt. Der größte Teil des ursprünglichen Gewichts wird also nicht als essbarer Cashewkern bis zum Verbraucher transportiert.

Das macht einen erheblichen Unterschied.

Wenn rohe Cashewnüsse zunächst von Afrika nach Asien transportiert werden, um dort geschält zu werden, wird auf diesem Abschnitt nicht nur ein Kilogramm transportiert, sondern mehrere Kilogramm rohe Nüsse für jedes Kilogramm Cashewkerne, das letztendlich verkauft wird.

Werden die Cashews dagegen im Ursprungsland oder in der Ursprungsregion verarbeitet, bleiben die Schalen und andere Reststoffe dort zurück, und nur das wesentlich leichtere Endprodukt muss weitertransportiert werden.

Doch Nachhaltigkeit bedeutet mehr als nur eine Route

In den vergangenen Jahren wird zunehmend mit Cashewnüssen geworben, die in Afrika angebaut und auch dort geschält werden. Grundsätzlich halten wir das für eine positive Entwicklung.

Unserer Meinung nach sollte jedoch noch eine zweite Frage gestellt werden:

Was passiert mit dem Rest des Weltmarktes?

Der internationale Cashewmarkt funktioniert wie kommunizierende Gefäße. Indien und Vietnam verfügen über enorme Verarbeitungskapazitäten und benötigen dafür rohe Cashewnüsse.

Wenn Europa beispielsweise mehr lokal verarbeitete Cashews aus einem bestimmten Teil Afrikas kauft, bedeutet das nicht automatisch, dass die Nachfrage aus Indien und Vietnam verschwindet. Die benötigten rohen Cashewnüsse können dann einfach aus einem anderen Anbaugebiet bezogen werden.

Deshalb sollte eine CO₂-Berechnung unserer Meinung nach nicht nur die Reise einer einzelnen Cashewnuss betrachten. Für ein realistisches Gesamtbild muss man die gesamten Handelsströme, die zurückgelegte Entfernung und das transportierte Gewicht berücksichtigen.

Und genau hier wird Westafrika interessant

Unsere Cashewnüsse stammen aus Westafrika. Das ist für uns kein neuer Trend. Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren mit Cashews aus dieser Region.

Für den europäischen Markt hat Westafrika eine besonders interessante geografische Lage. Die Region liegt an der Atlantikküste Afrikas, wodurch die Route nach Nordwesteuropa vergleichsweise logisch und direkt ist.

Wenn eine westafrikanische Cashewnuss zudem in Westafrika selbst geschält wird, entsteht eine kurze und übersichtliche Lieferkette: Anbau in Westafrika, Verarbeitung in Westafrika und anschließend Transport der geschälten Cashewkerne nach Europa.

Dann muss nicht zunächst eine wesentlich größere Menge roher Cashewnüsse nach Asien transportiert werden, nur damit das deutlich leichtere Endprodukt anschließend wieder in Richtung Europa verschifft wird.

Von Bombay nach Afrika

Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich der Cashewmarkt vollständig verändert.

Von einer Zeit, in der man in den Niederlanden noch von Bombaynüssen sprach und Indien das Zentrum der Cashewverarbeitung war, über den Aufstieg Vietnams bis hin zu einem afrikanischen Kontinent, der nicht nur immer mehr Cashews produziert, sondern die Nüsse auch zunehmend selbst verarbeitet.

Aus unserer Sicht ist gerade diese letzte Entwicklung die wichtigste.

Nicht weil ein bestimmtes Land oder eine bestimmte Route automatisch nachhaltig ist, sondern weil es sinnvoll ist, ein Produkt möglichst nahe an seinem Ursprung zu verarbeiten. Dadurch wird unnötiger Transport von Schalen und Reststoffen vermieden, ein größerer Teil der Wertschöpfung bleibt im Produktionsland und der Handelsweg zum Endmarkt kann deutlich verkürzt werden.

Lokale Beteiligung an der Cashewverarbeitung in Westafrika

Unsere Sicht auf Cashews

Wir glauben nicht, dass sich Nachhaltigkeit in einer einzigen schönen Zahl oder einer bestimmten Anzahl eingesparter Kilometer zusammenfassen lässt.

Die weltweite Cashew-Lieferkette ist miteinander verbunden. Deshalb betrachten wir lieber das Gesamtbild:

  • Wo wächst die Cashewnuss?
  • Wo wird sie geschält?
  • Wie viele Kilogramm Produkt werden über welche Entfernung transportiert?
  • Und was passiert mit den übrigen Cashewströmen, wenn sich der Markt verändert?

Für uns ist die Schlussfolgerung klar: Cashewnüsse aus Westafrika, die so weit wie möglich innerhalb der Region selbst verarbeitet werden, bilden für den europäischen Markt eine besonders logische Lieferkette.

Von der Bombaynuss zum westafrikanischen Cashewkern. Der Welthandel hat sich verändert — und vielleicht ist es an der Zeit, beim Thema Nachhaltigkeit nicht nur auf eine einzelne Cashewnuss, sondern auf die gesamte Lieferkette zu schauen.

Sortieren von Cashewnüssen in Westafrika

 
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Veröffentlicht in: Producten
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